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Warum Floristen sich ungerecht behandelt fühlen

Warum Floristen sich ungerecht behandelt fühlen

Unterschiedliche Lockdown-Regeln: In Rheinland-Pfalz gibt es Sträuße nur in Supermärkten oder per Bring- und Lieferdienst, im benachbarten Nordrhein- Westfalen indes sind die Blumenläden geöffnet. Foto: FRIEDSAM. Werbeagentur

Ärger über Corona- Maßnahmen: In NRW dürfen Blumenläden öffnen, in Rheinland- Pfalz gibt es Sträuße im Supermarkt

Rhein. Er ist eine der großen Einnahmequellen der Floristen schlechthin: der Valentinstag am 14. Februar. Aber diesmal wird das anders sein – zumindest in Rheinland-Pfalz. Denn die Blumengeschäfte sind Corona bedingt dicht, nur ein Bring- und Holservice ist möglich. Das sieht jenseits der Landesgrenze – zum Beispiel in NRW – ganz anders aus. Eine Tatsache, die Hans-Jürgen Meyer, Inhaber von Floristik & Ambiente Meyer in Sinzig und Vorsitzender des Fleurop-Verwaltungsrats, überhaupt nicht nachvollziehen kann. Und er ist nicht der Einzige.

„In Nordrhein-Westfalen und Hessen oder auch in Mecklenburg-Vorpommern haben die Blumengeschäfte geöffnet“, sagt Meyer. „Eine Kollegin aus Chemnitz verkauft jetzt Obst und darf ihren Laden wieder öffnen. Ein weiterer Kollege hat ein großes Zelt neben dem Geschäft aufgebaut und verkauft über Selbstbedienung“, berichtet er aus der jüngsten Sitzung des Fleurop-Verwaltungsrats, an der Floristen aus ganz Deutschland teilgenommen haben.

Möglichkeiten, die es in Rheinland-Pfalz (bisher) nicht gibt. Im Gegenteil. „Kurz vor Weihnachten waren drei Polizisten bei uns und verlangten, dass wir unsere Ware vor dem Geschäft wegräumen“, erzählt Meyer. Bei großen Supermärkten indes, die mittlerweile sogar Floristen einstellen würden, würden sich die Menschen dicht gedrängt um die Blumensträuße tummeln. „Die Supermärkte machen riesige Umsätze mit Blumen“, so Meyer. Ein Unding für den staatlich geprüften Blumentechniker aus Sinzig. „Ich habe ein 120 Quadratmeter großes Ladenlokal. Das würde doch funktionieren, wenn sich jeweils nur ein Kunde im Geschäft befinden würde“, sagt Meyer. Er hat auch eine überdachte Außenfläche, auf die er Ware zur Selbstbedienung stellen könnte – wenn er denn nur dürfte. Aber all das bleibt ihm sowie seinen rheinland-pfälzischen Kollegen versagt.

Um auf die Situation aufmerksam zu machen und Möglichkeiten zur Einrichtung eines Selbstbedienungsbereichs zu erfragen, hat Meyer sich jüngst an die Kreisverwaltung Ahrweiler gewandt. In seinem Brief hieß es abschließend: „Wie soll ich das als Verwaltungsratsvorsitzender meinen Kollegen erklären?! Blumen erwecken Emotionen, gerade jetzt in dieser Zeit sind Blumen etwas Schönes, sie sind allein schon für die Stärkung der Psyche groß an Bedeutung.“

Die Antwort der Kreisverwaltung fiel kurz und knapp aus. Mit Bezug auf den entsprechenden Paragrafen der 15. Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes heißt es in dem Schreiben: „Da auch Ihr Geschäft für den Kundenverkehr geschlossen ist und nur Abholungen nach vorheriger Bestellung möglich sind, ist der Selbstbedienungsbereich in Ihrem Geschäft nicht zulässig.“ Zu den Blumenverkäufen in Supermärkten antwortete die Kreisverwaltung: „Bietet diese Einrichtung weitere Waren an, ist dies zulässig, soweit das weitere Warenangebot nicht den Schwerpunkt des Verkaufssortiments oder Angebots bildet.“ Da hätte sich Meyer eigentlich mehr erhofft. „Eine standardisierte Antwort – traurig“, meint er gegenüber der RZ. „Wir investieren 120 000 Euro in unser Geschäft und bekommen Zwangsjacken angelegt. Das ist schlimm“, findet er. „Gartencenter in Ostdeutschland verbuchen sogar einen Umsatzzuwachs von 40 Prozent“, weiß Meyer. Aber in Rheinland-Pfalz hätten die Floristen wie auch er selbst einen brachialen Umsatzeinbruch. „Die Kunden können zwar über Click und Collect in unserem Internetshop bestellen, aber es fehlt der Lustkauf. Wir verkaufen Emotionen, und den Leuten fehlt das haptische Erlebnis, wenn sie zum Beispiel eine Vase oder ein Accessoire kaufen möchten“, so Meyer.

Mächtig verärgert über die, wie er sagt, „Ungleichbehandlung“ ist auch Christoph Assenmacher, Inhaber des gleichnamigen Blumenladens in Oberwinter. Kein Wunder, schließlich ist die Grenze zu Nordrhein-Westfalen nur rund zwei Kilometer entfernt. „Da fahren die Kunden einfach nach Mehlem in die Blumenläden“, sagt er. Aus diesem Grund hätte er auch wenig Bring- oder Lieferdienste. Die Politiker würden sich hinstellen und sagen, dass überall gleichbehandelt würde, aber in der Praxis sehe das anders aus. „Das ist das Allerletzte“, findet der Florist. Und nicht nur das: Auch Hilfen habe Assenmacher bisher nicht erhalten, dafür aber einen Bescheid über eine Gewerbesteuervorauszahlung der Stadt Remagen. „Wir stehen hier, haben keine Einnahmen. Uns wird Hilfe zugesagt, aber nichts passiert. Im Gegenteil“, macht Assenmacher seinem Ärger Luft.

Dass Supermärkte Blumensträuße verkaufen dürfen, sieht er mit einem gewissen Sarkasmus. „Vielleicht ist es politischer Wille, dass die Kleinen durch den Lockdown über die Klinge springen“, sagt er. „Am liebsten würden wir normal öffnen. Und ich glaube auch nicht, dass sich die Leute in einem Blumenladen angesteckt haben. Ich kann das alles wirklich nicht verstehen“, so Assenmacher. „Wir haben eben keine starke Lobby wie die Friseure, aber bei denen passiert ja auch nichts. Das interessiert eben keinen.“

Quelle: Rhein-Zeitung, 10.02.2021