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Sind verkaufsoffene Sonntage eine Hilfe für den Einzelhandel?

Sind verkaufsoffene Sonntage eine  Hilfe für den Einzelhandel?

Seit ein paar Wochen hat der Einzelhandel wieder normal geöffnet – auch in den Kommunen am Rhein. Aber haben die Kunden trotz der Lockerungs-Maßnahmen wieder zurück zu ihrem Kaufverhalten vor der Krise gefunden? Und könnte das Aussetzen der Sonntagsschließung zumindest für ein Jahr, wie seitens der FDP-Bundestagsfraktion gefordert, dem heimischen Einzelhandel auf die Sprünge helfen?

Für Reiner Friedsam, Vorsitzender der Aktivgemeinschaft Sinzig, ist Letzteres in der Barbarossastadt nur schwer umsetzbar. „In Sinzig sind die Einzelhändler meist selbstständig und stehen sowieso schon sechs Tage lang von morgens bis abends im Geschäft. Da wird es nicht hinzubekommen sein, jeden Sonntag zu öffnen“, sagt er. Außerdem funktioniert seiner Meinung nach so ein Angebot in kleineren Städten nur, wenn auch ein entsprechendes Rahmenprogramm angeboten wird. Dann aber mit großem Erfolg, wie er betont. Als Beispiel nennt Friedsam Veranstaltungen wie das Frühlingserwachen, den Herbstzauber oder auch Sprudelndes Sinzig, die stets mit einem verkaufsoffenen Sonntag gekoppelt sind. „Das wird hervorragend angenommen“, berichtet er. Da würden sogar mehr als 30 Prozent der Gäste aus dem Umland in die Barbarossastadt kommen. „Die Leute wollen entweder eine breite Auswahl wie in großen Städten oder entsprechende Unterhaltung“,nennt der Vorsitzende der Aktivgemeinschaft Bedingungen, die seiner Meinung nach für einen erfolgreichen verkaufsoffenen Sonntag erfüllt sein müssen.

Das derzeitige Kundenkaufverhalten in den Sinziger Fachgeschäften bezeichnet er als eher verhalten. „Nach dem Hype am ersten Öffnungstag ist die Frequenz deutlich niedriger als vor der Corona-Krise“, sagt er. Viele Menschen seien in Kurzarbeit und hätten weniger Einkommen. Dadurch sei die Kaufkraft deutlich gesunken, das Kaufverhalten habe sich geändert. Mit einer Ausnahme: Baumärkte oder auch Gärtnereien hätten mehr zu tun. „Die Heimgestaltung boomt. Die Leute sind zu Hause. Sie modernisieren oder gestalten sich den Garten schön“, erklärt Friedsam dieses Phänomen. In Bad Breisig hat das Unternehmen Radio Queckenberg, das größte Geschäft in der Quellenstadt, keinen Grund, unzufrieden mit dem Kaufverhalten der Kunden zu sein. „Wir können nicht klagen. Vor allem unser Service hat uns geholfen“, sagt Marktleiter Tobias Krieger. Er hat festgestellt: „Bei den Kunden hat ein Umdenken stattgefunden“. Sie kommen wieder mehr in den heimischen Einzelhandel, anstatt online zu bestellen. „Außerdem können viele nicht in den Urlaub fahren und möchten sich dann eben ihr Zuhause schön und gemütlich machen“, meint Krieger. Davon, Sonntagsschließungen auszusetzen, hält er trotzdem nichts. „Wir halten Abstand davon – unseren Mitarbeitern zuliebe. Und auch die Leute wollen sonntags ihre Ruhe haben. Wir hatten schon mal sonntags auf, aber da war tote Hose. Unsere Kunden wissen, dass wir uns auch unter der Woche viel Zeit für jeden Einzelnen nehmen“, sagt Krieger.

Petra Pellenz, Vorsitzende des Vereins „Remagen mag ich“, indes schlägt da ganz andere Töne an. „Ich würde am liebsten intensiv dafür kämpfen, dass wir 44 Sonntage im Jahr öffnen können“, sagt sie und ist sich sicher, dass viele Remagener Händler dabei mitziehen würden. „Ahrweiler, Linz, Bad Neuenahr – alle haben auf, aber Remagen ist zu“, bedauert sie. Da ihr eigenes Gewerbe als touristisch relevant gilt, darf sie an 44 Sonntagen im Jahr öffnen. „Die Leute sind sonntags kauffreudig“, hat sie beobachtet. Pellenz selbst, so berichtet sie, fahre gern, soweit es die Zeit zulasse, sonntags nach Ahrweiler. „Dann muss ich nicht durch die Geschäfte hetzen, sondern kann bummeln und habe Freude daran“, erzählt sie. Da gebe man gern Geld aus. Deshalb empfindet sie auch verkaufsoffene Sonntage als sehr wichtig. „In südeuropäischen Ländern ist das ganz normal, aber wenn man hier dafür kämpft, ist das das größte Verbrechen“, moniert sie. Da könne sie die Gewerkschaft Verdi nicht verstehen. „Das ist doch auch eine Arbeitssicherungsmaßnahme“, findet die Vorsitzende von „Remagen mag ich“. Sie würde es begrüßen, wenn es klappen könnte, zumindest für ein Jahr die Sonntagsschließung auszusetzen. „Das wäre der erste Schritt in die richtige Richtung“, sagt Petra Pellenz.

Einen Hype am ersten Öffnungstag der Geschäfte nach der Corona-bedingten Schließung, wie ihn Friedsam aus Sinzig berichtet, hat die Vorsitzende von „Remagen mag ich“ für ihre Stadt nicht ausmachen können. In Remagen sei es eher ruhig, auch wenn es manche belebtere Tage gebe wie zuletzt am Freitag und Samstag nach Christi Himmelfahrt. „Die Vorsicht der Menschen ist immer noch da. Sie trauen sich nicht aus dem Haus – entweder aus Angst oder weil sie keine Lust haben, eine Maske zu tragen“, berichtet die Vorsitzende von „Remagen mag ich“. Die Konsequenz daraus: Die Einnahmen würden unter 50 Prozent von denen liegen, die vor der Corona-Krise in die Kassen der Remagener Händler geflossen seien.

Quelle: RZ-Online 28.05.2020, Redaktion Silke Müller

 

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