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Im Interview: Reiner Friedsam zu den Zielen, Visionen und Wir-Gefühl

Mit dem neuen Bürgermeister Andreas Geron macht sich in Sinzig eine gewisse Aufbruchsstimmung breit. Die Erwartungen an den neuen Stadtchef sind groß, die Bereitschaft mitzumachen aber auch, sagt Reiner Friedsam. Der Inhaber einer Werbeagentur ist neuer, alter Vorsitzender der Sinziger Aktivgemeinschaft mit rund 135 Mitgliedern.  Die Rhein-Zeitung (RZ) veröffentlichte  ein Interview mit ihm: „Das können wir besser als Amazon“. Darin macht Friedsam deutlich: „Wir können Sinzig nur gemeinsam voranbringen, dazu müssen sich alle einbringen.“

Herr Friedsam, warum braucht Sinzig eine Aktivgemeinschaft?

Aus vielen Gründen. Zunächst geht es darum, den Austausch unter den Gewerbetreibenden zu fördern. Wir alle haben die selben Ziele: Wir wollen in Sinzig von unserer Arbeit und unserem Angebot leben können und die Stadt als attraktiven Wirtschaftsstandort voranbringen

… Sie haben aber auch die gleichen Probleme?

Sicher, so unterschiedlich sie sein mögen. Die einen suchen händeringend Mitarbeiter und Azubis, die anderen benötigen mehr Kunden. Hier ist der Austausch unter den Mitgliedern der Aktivgemeinschaft wichtig. Die einen haben vielleicht schon Ideen und Lösungen gefunden, die auch für andere interessant sind. Und natürlich ist der Austausch mit Verwaltung, Politik und Vereinen wichtig.

Welche Schwerpunkte möchten Sie als Vorsitzender setzen?

Ich habe schon einige Ideen, auch aus meiner langjährigen Erfahrung als Werbe- und Marketingfachmann. Für konkrete Pläne ist es noch etwas zu früh. Klar ist für mich: Wir wollen das Riesenthema Stadtentwicklung weiter vorantreiben und das Gesamtbild der Stadt wieder stärker und positiver hervorheben. So beoispielsweise mit LED-Infosanzeigen am Bahnhof oder künftigen Kreisel: „Dann erhalten Besucher direkt, wo und was in Sinzig geboten wird.“ Mit solchen Maßnahmen  wird Sinzig auch wieder attraktiver für Firmenansiedlungen, Investoren und Arbeitnehmer.

Wie sieht Ihr Beitrag dazu aus?

Entscheidend ist, dass der Kopf Aktionen initiiert und mit dem Vorstandsteam nach vorne treibt. Ich sehe mich aber nicht als Festorganisierer und möchte durch die Kommunikation mehr bewirken, als nur verkaufsoffene Sonntage zu organisieren. Ich bin überzeugt: Wenn man die Verantwortung der Vereine und ihrer Mitglieder für unsere Heimatstadt stärkt, geht es auch den Einzelhändlern gut.

Wie meinen Sie das?

Ich finde, man kann Eltern klarmachen, dass, wenn in der Stadt Optiker oder Hausgeräteladen zumachen müssen, weil ihnen die Kunden ausgehen, es auch niemanden mehr gibt, der die Vereine ihrer Kinder mit Trikots und Tombola-Preisen unterstützt. Diese Unterstützung trägt zu einem stärkeren Wir-Gefühl bei. Amazon oder Zalando lassen sicher keine Trikots springen. Gleichzeitig ist dieses bürgerschaftliche Engagement für Firmen sehr wichtig. Ich sage Unternehmern immer: Macht das unbedingt, es kommt zu euch zurück.

Wo sehen Sie die Stärken der Sinziger Geschäftsleute?

Ganz klar: im hohen Anteil an inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften. Denn hier besteht – im Gegensatz zu Filialisten – ein viel höheres Interesse, die Kunden zufriedenzustellen. In inhabergeführten Geschäften wird man auch mal außerhalb der Öffnungszeiten bedient und bekommt vielleicht auch mal einen Ersatzfernseher übers Wochenende geliehen.

Wie können die Sinziger Einzelhändler auch in Zeiten des Onlinehandels präsenter werden und damit aussichtsreicher gegen Amazon und Co. antreten?

Da gibt es ein schönes Beispiel aus Attendorn, einer Kleinstadt mit 26.000 Einwohnern. Seit kurzem gibt es hier eine Onlineplattform für alle Einzelhändler: Morgens können Kunden bestellen, am nächsten Tag wird die Ware geliefert. Das Modell nach dem Motto „So wehrt sich eine Kleinstadt gegen Amazon“ hat schnell eine enorme Reichweite erfahren, grade in den Sozialen Medien. Ich bin sicher, so etwas lässt sich auch in Sinzig aufbauen. Überhaupt sollten Gewerbetreibende die Möglichkeiten der Onlinemedien stärker nutzen.

Als Makel werden die Leerstände in der Innenstadt gesehen …

… von denen es nicht so viele gibt. Die Quote beträgt derzeit vier Prozent, in der Kernstadt gibt es dagegen mehr als 75 Fachgeschäfte, Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe. Da sehe ich mich als Werbefachmann auch in der Pflicht, das stärker und deutlicher nach außen zu kommunizieren.

Wie steht die Aktivgemeinschaft zum Nahversorgungszentrum?

Aus Vereinssicht kann ich ad hoc noch nichts zu sagen. Persönlich finde ich: Das NVZ ist keine gute Idee. Das Gelände könnte man viel besser für Wohnbebauung nutzen. Das wäre auch ein viel attraktiveres Entree für Besucher.

Nun vertritt die Aktivgemeinschaft auch Tourismusbetriebe. Wie lockt Sinzig künftig mehr Touristen an?

Ich bin sicher, es gibt noch viel Potenzial. Da sind die vielen Wanderwege, etwa Barbarossaschleifen und Ahrsteig, und der Rheinradweg. Der Bereich (Rad)Wandern nimmt immer mehr zu. Es gibt zwar einen touristischen Katalog. Aber die Vermarktung der Tourismusmöglichkeiten in Sinzig kann in Zusammenarbeit mit der Stadt noch stärker werden. Auch hier gilt: Es geht nur gemeinsam mit Verwaltung und Politik.

Das Interview führte Jan Lindner

Quelle: Rhein-Zeitung, 20.01.2018